Segeltörn British Virgin Islands 2014 - Segeln, Schnorcheln und alle Wetter

Diesen Morgen beginnen wir wieder einmal sehr chillig. Nach den Erlebnissen des Vortages und dem Wissen, dass das Wetter über Tag eher etwas schlechter werden soll, genießen wir die Sonne und die Ruhe in der kleinen Bucht. Die tollen Spare-Ribs vom Vorabend veranlassen einige Crewmitglieder sogar, über ein Verbleiben in der Bucht nachzudenken und das für diesen Abend angekündigte All You can Eat Angebot voll auszuschöpfen :-). Letztlich wollen wir aber doch weiter. Da einer der beiden Frischwassertanks schon wieder leer ist und auch die Tankanzeige bei mir einige Skepsis auslöst (Nach 17 Motorstunden noch immer 100% voll???), fahren wir doch noch einmal ans Servicedock im Great Harbour und bunkern neues Wasser und Diesel. In der Tat ist der Spritverbrauch mit 8 Gallonen (30 Lite) recht gering und noch besser gefällt uns der Preis mit 57 $. So bestückt sollte nun beides bis zum Ende des Törns ausreichen.

Neunter Segeltag - Jost van Dyke Little Harbour nach The Bight (Norman Island)

Von Great Harbour nehmen wir zuerst direkten Kurs auf die Durchfahrt zwischen Tortola und den Thatch Islands, müssen aber nach einer halben Stunde in die Kreuz, da der Wind etwas südöstlicher drehte. Da die Strecken hier insgesamt recht kurz sind, ist so eine Kreuz aber durchaus willkommen und so können wir wieder die Rudergänger fleißig durchwechseln. Zwischen den Inseln heizt uns eine ordentliche Düse auch noch etwas an und alle stehen mit strahlenden Gesichtern am Ruder :-). So segeln wir bis kurz vor Norman Island und fahren dann unter Motor in "The Bight" ein. Diese Bucht ist ja eigentlich für ihre Partystimmung auf einem ausgedienten Kutter und eine Bar am Strand berühmt, davon bekamen wir allerdings nicht viel mit. Die Bucht ist recht groß und dementsprechend viele Moorings und Schiffe liegen dort fest, aber zumindest an diesem Abend war von ausufernder Party-Stimmung nichts zu merken. Zusätzlich nahm der Wind im Laufe des Abends deutlich zu und bevor es zu ungemütlich wurde, verdrückten auch wir uns in die warmen Kojen.

Zehnter Segeltag - Norman Island The Bight nach Cooper Island

Direkt nach dem Aufstehen checke ich den Wetterbericht, denn über Nacht wehte mir ein stetiger Wind mit 6 Bft. um die Nase und vereinzelt schauerte es auch. Alles nicht die besten Voraussetzungen für unseren geplanten Badeausflug nach "The Bath" auf Virgin Gorda. Das bestätigte der Wetterbericht, kündigte aber für Freitag Besserung an. So ändere ich erneut den Plan und verordne einen weiteren schönen Segeltag, der uns dann aber immerhin schon etwas näher nach Virgin Gorda führen soll, so dass wir für Freitag eine bessere Ausgangsposition haben. So segeln wir um halb zwölf los und setzten Groß und Genua gleich jeweils im zweiten Reff. Eine halbe Stunde segelt Franz so mit Riesenspaß, dann nimmt der Wind noch einmal kräftig zu und bei einer heftigen Sturmböe fehlte nicht mehr viel zum ersten Sonnenschuss. Wir fieren deshalb die Genua etwas und versuchen diese weiter zu reffen. Beim ersten Versuch tut sich allerdings nicht viel, leider ist auch hier die Rollreffeinrichtung recht schwergängig und nur unter größter Kraftanstrengung zu bewerkstelligen. Um etwas Druck aus dem Segel zu nehmen, nutzen wir den zu Batterieladezwecken im Leerlauf (ohne Kraftschluss - Zitat vom Hausmeister ;-))" mitlaufenden Motor, um das Schiff weiter in den Wind zu drehen. Gerade als wir noch einmal zum Reffen ansetzen, meldet Holger Rauchgeruch aus dem Salon und gleichzeitig geht ein prasselnder Tropenschauer über uns hernieder. Da hieß es erst einmal selbst Ruhe zu bewahren und Ruhe ins Schiff zu bringen. Ich lasse in den Wind drehen und das Großsegel bergen - das funktioniert schnell und ohne Probleme. Gleichzeitig ist unter Deck gecheckt, dass der Rauchgeruch vermutlich nur etwas verbranntes Öl war, das beim Einkuppeln zu diesem Rauchgeruch führte. Letztlich gelingt es der Crew, mit vereinten Kräften auch die Genua komplett einzuholen.

Völlig durchnässt atmen wir einmal kräftig durch, kramen die Regenjacken heraus und setzen die Genua erneut. So segeln wir dann weitere 2 Stunden in der Kreuz in Richtung Cooper Island und schließen noch ein paar Knoten-Übungsrunden an. Gegen viertel nach 3 erreichen wir Cooper Island, müssen dort aber eine halbe Stunde kreiseln, bis wir eine freiwerdende Mooring-Boje erwischen. Eine wurde uns sogar sozusagen vor der Nase weggeschnappt, da ich keine Lust auf ein Vollgas-Rennen in einem Bojenfeld hatte. Teilweise ist das schon unverantwortlich, was man da sieht, erst recht, wenn die andere Crew kleine Kinder an Bord hat. Kurze Zeit später hat uns dann ein anderer netter Segler seinen freiwerdenden Platz angeboten - es geht also auch anders.

 

Da unsere Lebensmittelvorräte bis auf etwas Risotto-Reis und 2 Brokkolie-Stauden praktisch aufgebraucht sind, ziehen wir es vor, in dem hier befindlichen Resort-Hotel zu speisen. Insbesondere die männlichen Crewmitglieder, denen die Aussicht auf ein Brokkoli-Risotto am Abend schon den ganzen Tag die Zähne länger werden ließ, freuten sich auf ein etwas nahrhafteres Mahl. Und es war köstlich!!! Egal ob frischer Fisch oder Fleisch, alles war hervorragend und so langten wir kräftig bei Vorspeise, Hauptgang und teilweise Nachtisch zu. Danach gönnen wir uns noch ein paar Painkiller in der Chillout-Area und beschliessen so einen weiteren aufregenden Tag.

 

11. Segeltag - Cooper Island nach Maya Cove

Ausgerechnet heute, wo ich mit 9:00 Uhr eine harte Vorgabe für die Ablegezeit gemacht habe, hatten wir eine sehr unruhige Nacht. Ich musste nach einem heftigen Regenschauer gegen halb zwei Uhr Nachts das erste Mal unter Deck schlafen. Gleichzeitig pfiffen heftige Böen um das Schiff und eine kräftige Dünung schüttelte uns ordentlich durch. Das Schiff knarzte ganz ordentlich und so waren die Äuglein morgens bei allen noch recht klein. Der Wind blies weiterhin mit 6-7 Bft., das sollte sich bis zum Mittag aber auf immerhin 5-6 Bft. verringern. Außerdem war nur leichte Bewölkung angesagt, so dass ich den Badestopp in The Bath trotzdem riskieren will.  Wir legen dann pünktlich um 9 Uhr ab. Auf direktem Kurs war The Bath nur unter Motor zu erreichen. Eine Kreuz hätte zu viel Zeit gekostet, denn um 14 Uhr müssen wir uns ja bereits auf den Rückweg nach Maya Cove machen.

 

Zuerst einmal erreichen wir nach wellenreicher Fahrt gegen 10:15 Uhr The Bath. Eine halbe Stunde entspannen erst einmal alle an Bord in der Sonne, bis ich die Ersten mit dem Dinghy am Strand absetze. Eine Stunde später ist auch der Rest der Crew in Strandlaune und ich setze die Damen zum Strand über. Da es hier eine recht starke Brandung gibt, wird empfohlen das Dinghy nicht an den Strand zu legen. So fahre ich weiter bis zu einer mit Bojen markierten Badezone und befestige das Dinghy an einer der Markierungen. Dann schlüpfe ich in meine Schnorchelausrüstung und mache mich so auf den Weg zurück zum Strand. Wie angekündigt, ist dies hier einer der Schnorchel-Hotspots und ich kann das nur bestätigen. Allerlei kleine und und größere Fische tummeln sich hier in der felsigen Brandung. Ich kann gar nicht genug bekommen, letztlich schaffe ich es nach unzähligen Unterwasserfilmaufnahmen dann aber doch zum Strand. Die Crew hatte inzwischen bereits kleine Billabongs und kleine Höhlen entdeckt und erkundet, die den tollen weißen, feinsandigen Strand noch ergänzen. Etwas Besseres hätte uns zum Abschluss unseres Törns wirklich nicht passieren können. Einfach großartig und vollkommen.

Um 14 Uhr müssen wir dennoch Abschied nehmen und legen ab in Richtung Heimat-Hafen Maya Cove. Da der Wind diesmal direkt von hinten kommt, segeln wir unter Genua vor dem Wind die knappen 5 Seemeilen. Jeder kann als Rudergänger noch einmal 10 Minuten Abschied vom karibischen Wind und Wasser nehmen und um 15:15 Uhr bergen wir in der Maya Cove die Segel. Die sehr flache und etwas kritische Einfahrt in den Hafen nehme ich ohne Hilfe der Dream Yacht Crew selbst in die Hand. Zugegeben, bei nur knapp 1 m Wasser unter dem Kiel stockte das Herz schon etwas, aber es siegte das Vertrauen, dass da, wo ich einmal hinaus gefahren bin, ich auch wieder hereinkommen sollte. Um 15.20 Uhr liegen wir an der Tankstelle fest.

 

Hier begegnet uns dann erst einmal wieder die karibische Zeitrechnung oder Entspanntheit. Für 2 eingelaufene Schiffe benötigt die Crew ca. 35 Minuten zum Betanken. Die Schiffe werden dann von der Crew in die Box gefahren, auch hier sollte man noch etwas Zeit einplanen. Irgendwann war aber auch das erledigt. Der technische Checkout funktionierte ähnlich, alles prima, die Hinweise auf die Probleme mit der Bilge und ähnliches nahm man dankend an, aber mehr wohl auch nicht ;-). Erwähnen möchte ich aber insbesondere den guten Service. Wir wollten eigentlich ein Taxi bestellen, um noch einen Nachmittagsausflug nach Road Town zu planen, und erhielten den Hinweis auf die geschlossenen Geschäfte und Restaurants am Karfreitag. Die Dame telefonierte dann so lange, bis sie wenigstens noch in einem Restaurant einen Tisch für uns reservieren konnte.

The Red Rock Restaurant ist dann auch perfekt für unseren Abschlussabend. Die Bedienung war hier ganz untypisch für die Karibik sehr auf Zack und das Essen ... wow ... einfach genial. Nadine ging sogar soweit und bestellte den Koch an den Tisch, um ihm einen Dankeskuss zu geben (auf die Wange versteht sich).  Der Koch war nett und kaum war er weg, hatten wir alle das Gefühl, es mit einem Landsmann zu tun gehabt zu haben. Wir fragten nochmals nach und tatsächlich: Er ist Deutscher und schon seit 20 Jahren in der Karibik. Vor ein paar Jahren hat er dann dieses Restaurant hier auf Tortola gekauft und ist glücklich. Zum Abschied spendierte er noch eine Runde Jägermeister (auf die Heimat) und wir hatten einen perfekten Abend.

 

Heute geht es heimwärts und wir alle freuen uns schon auf das Nachtreffen, die vielen Bildersammlungen und den hoffentlich nächsten Törn. Wenn mich nicht alles täuscht, könnte es Thailand werden ;-).

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