Segeltörn British Virgin Islands 2014 - Kleine Tücken gehören irgendwie dazu

Die Feierlichkeiten am Vorabend haben uns dann doch  etwas länger in den Federn gehalten und wir gingen den Morgen etwas gemütlicher an. Ein Sprung ins Wasser und ein ausgiebiges Sonnenbad mussten sein, denn bisher hatte die Sonne sich noch häufiger hinter den vorbei eilenden Wolken versteckt. Da auch noch ein Einkauf nötig war, fuhr ich noch einmal mit einem Teil der Crew an Land und mit der Sonne kam dann auch wirklich karibisches Feeling auf. Um kurz vor halb eins legten wir dann ab und freuten uns auf einen schönen Segeltag. 

Da das Ziel - Cane Garden Bay auf Tortola - nicht weit entfernt war, entschieden wir kurzerhandzusätzlich die Insel Jost van Dyke zu umrunden. Bei den fast immer gleichmäßig wehenden 5-6 Windstärken hatten wir das Groß im zweiten und die Genua im ersten Reff - also recht entspannt' dafür mit riesigem Spaß :-).

Dritter Tag - Jost van Dyke nach Tortola Cane Garden Bay

Gegen 15:50 Uhr bargen wir kurz vor Cane Garden Bay die Segel und suchten unseren Weg durch diekleine Zufahrt. Da ich das Festmachen an einer Boje aus Gründen weiterhin dem Ankern vorziehe, hatten wir schon etwas Mühe, noch eine intakte Boje zu finden. Bei einigen fehlte bereits die Öse zumbefestigen der Leinen. Hier werden aus Sicherheitsgründen übrigens auch immer gleich zwei Vorleinen an der Boje belegt. Das Taten wir dann auch an einer der letzten freien Bojen und freuten uns schonauf den obligatorischen Anlegerschluck, als Holger bemerkte, dass das Bad in der Bugkabine gerade eher einem türkischen Hammam glich. Das gesamte Bad stand aus ersteinmal unerklärlichen Gründen unterdampfend heißem Wasser und einiges davon hatte sich auch schon in die Kabine ergossen. Dem ersten Erschrecken folgte dann schnell die Erkenntnis, dass sich die verspiegelte Klappe des Badschrankesüber dem Waschbecken geöffnet hatte und auf den darunter liegenden Wasserhahn gefallen war. Der Wasserhahn wurde dabei so ungünstig getroffen, dass sich das heiße Wasser öffnete und sich damit ohne,dass wir es während der Fahrt bemerkten, der komplette restliche Inhalt des Wassertanks entleerte. 

Das ist nun schon das dritte Mal innerhalb eines Jahres, dass Schappverschlüsse, die einfach nur zugeklickt werden, sich bei starker Krängung und Wellengang öffnen. Wer immer beschlossen hat, dass es die bewährten Druckknopfsicherungen nicht mehr braucht, irrt aus meiner Sicht.
Das Wasser war aus dem Bad war dann zwar schnell abgepumpt und der Rest in der ohnehin feuchten Bilge verschwunden. Ganz ohne Frischwasser im Tank wollten wir den Abend dann aber nicht verbringen und waren froh, dass es in der Bucht ein Service-Dok für Diesel und Wasser gab.Um unsere Bojenicht zu verlieren, setzten wir Sandra und Franz an selbiger mit dem Dinghy aus und machten uns auf dem Weg zum Dock. Kati stellte noch fest, dass wir bzgl. der Tiefe vorsichtigseinsollten, da es zumTeil nur 9 Fuß tief sein sollte. Etwas knapp für unsere 1,75m Tiefgang, aber sollte gerade passen. Wir tasteten uns deshalb sehr langsam an die auffällig mit einladenden Fendern gekennzeichnete Tank- und Servicestelle vor. Eine etwas größere Welle mitnentsprechendem Tal führte dann allerdings kurz vor dem Festmachen doch zu einer leichten Grundberührung. Wir konnten uns mit den Leinen und mit der Hilfe des Servicepersonals am Dock aber schnell so zurecht ziehen, dass wir wieder frei waren, Wasser bunkern und problemlos ablegen konnten.
Die ausgesetzte Dinghy-Crew hatte unseren Bojenplatz bestens verteidigt, so dass wir dort wiederfestmachen und die "Schiffbrüchigen" ;-) einsammeln konnten. Den Abend ließen wir dann in Grüppchen ausklingen. Die Einen setzten an Land über und genossen Bar und Strand, ich holte die Gitarre raus und startete einen Versuch in Bordunterhaltung - zugegeben, das ist noch ausbaufähig - und einige gingen früh schlafen. Die Nacht verbrachte ich wieder in meiner Deckkoje und musste mein Kissen bei den recht starken Fallwinden ordentlich festhalten. 

Vierter Segeltag - Tortola Cane Garden Bay nach Marina Cay

Auch dieser Morgen startet sehr entspannt. Sandra entwickelt sich zur Frühaufsteherin und weckt die ersten von uns zwischen 6 und 7 Uhr sanft mit leckerem Kaffeeduft, gern auch ein Tässchen direkt ans Bett. So genießen wir flüsternd, schweigend, lesend oder schwimmend den hereinbrechenden Morgen. Nach dem wie immer köstlichen Frühstück setze ich mit den anderen Mädels auf´s Festland über, um noch ein paar Einkäufe zu erledigen und ein wenig den Ort zu erkunden. Die Männer machen zwischenzeitlich klar Schiff :-). Um kurz vor 12  Uhr legen wir dann in Richtung Marina Cay ab. Wir hoffen vielleicht im AmWindkurs direkt den Guana Channel anlaufen zu können und dort vielleicht noch einen Badestoppan an der White Bay einzubauen. Zuerst sah es auch ganz gut aus. Mit der nun schon fast standardmäßigen Besegelung (Groß 2. Reff und Genua 1. Reff) segeln wir zwischen 5 und 7 Knoten bei etwas böigem Wind in Richtung Channel. Leider dreht der Wind etwas nordöstlicher, so dass wir letztlich doch kreuzen müssen. Damit bleibt leider keine Zeit für den Badestopp. 

Dafür wird ordentlich gesegelt und Holger absolvierte seine ersten Seemeilen am Ruder eines Segelschiffes. Als erfahrender Motorbootskipper hat er sich aber schnell an den Windantrieb angepasst und gefallen an der rauschenden Fahrt gefunden :-). Die ordentliche Krängung führte allerdingsauch dazu, dass das Wasser aus der ein oder anderen Bilgenkammer herausschwappte und so bewaffnete ich mich mit einem Schöpfbecher und versuchte den ein paar Liter abzuschöpfen. Die Bilgenpumpen scheint hier jedenfalls nutzlos oder funktioniert nicht richtig. Irgendwann erlöste mich die Wende, denn auf dem Backbordbug ist nicht ans Wasser heranzukommen. Das Projekt wird deshalb auf den Hafentag verschoben. 
Um 14:30 Uhr holten wir die Segel und passierten unter Motor den recht flachen Guana Channel. Danach folgten der Empfehlung aus dem Buch, Great Camanoe Island im Süden durch die schmalere Passage zwischen Little- und Great Camanoe zu passieren und nicht den weitaus breiteren äußeren Channel. Die unmarkierten unmarkierten Untiefen sind hier wohl deutlich besser auszumachen und zu umfahren und das kann ich nun auch bestätigen. Zwar machte ein Katamaran hinter uns reichlich druck, weil wir ihm zu langsam waren, aber wir konnten alle Gefahrenstellen mit gutem Ausguck und Abgleich in der Seekarte und Plotter umfahren. Der Kat rauschte dann im Anschluß an uns vorbei und es hat nicht viel gefehlt, dass wir auch noch seine unendlich lang ausgefahrene Angelleine in der Schraube gehabt hätten. Mir lagen schon ein paar Flüche auf den Lippen.

Die Bojenlage in Marina Cay verbesserte meine Stimmung dann auch erst einmal nicht. Es war keine freieBoje zu finden. Mangels in der Nähe liegender Alternativen, inspizierten wir bereits das Ankerfeld, als uns dann eine der privaten Boje für den üblichen 30 $ Kurs angeboten wurde. Die Freude war groß und wir nahmen das sehr nette Angebot dankend an. Später setzten wir noch zu viert mit dem Dinghy auf die kleine Marina Cay Insel über. Das Island, aber vor allem der Ausblick auf die Bucht, waren ganz süß und wir machten es uns in den Liegestühlen am Strand bequem. Uns begegnen auch hier fast ausschließlich Amerikaner und die Insel ist mit Hotel und Shopping-Angebot auch darauf ausgerichtet. Ich kann gar nicht erklären, woran man es fest macht, aber man erkennt die Amerikaner irgendwie sofort an der einerseits teilweise etwas übertriebenen Lockerheit und der gleichzeitigen zugeknöpften Atitüde. Alles aber dennoch wirklich nett. Erwähnenswert noch unsere Freude über Free W-Lan am Strand. Nun haben wir ja schon ganz luxuriös ein eigenes Bord W-Lan, aber jetzt auch noch vom Strand auf´s Schiff zu facebooken und what´s appen ;-)... mannomann ... diese Digitalisierte Welt.

Den Abend beschließen wir mit meinem fast schon berühmten Gemüse-/Resterisotto, mit dem dann die Vorräte auch vorbildlich aufgebraucht waren. Morgen geht´s in die Marina von Virgin Gorda, dort können wir wieder fleißig bunkern. 

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