Katamaran segeln - Eine neue Erfahrung mit einigen Überraschungen ...

Katamaran segeln Robinson Club Camyuva

Manche Dinge im Leben passieren, ohne dass man sie großartig plant und genau so hat sich nun auch der Katamaran-Grundschein in meine Sammlung der Befähigungsnachweise eingereiht. Ende April flog ich für eine Firmenincentive in den Robinson-Club Camyuva, der in die Nähe von Kemer an der türkischen Mittelmeerküste liegt . In der Anlagenbeschreibung hatte ich zuvor schon von der TopCat Katamaran-Flotte gelesen und wollte diese unbedingt einmal ausprobieren. Etwas blauäugig hatte ich angenommen, dass ich einfach mit meinem SKS-Schein winke und dann sofort starten kann.

 

Bisher hatte ich nie die Gelegenheit einen zu segeln und so sprach ich bis in die Haarspitzen motiviert in der Verleih-Station vor. Mein Schwung wurde jedoch jäh gebremst, als der gut deutsch sprechende Guide nach meinem Cat-Schein fragte. Dennoch zückte ich hoffnungsfroh meinen SKS ... das beeindruckte jedoch nicht wie erwartet. Ohne Cat-Schein, kein Cat zum Verleih. Inzwischen weis ich, dass ein Katamaran Schein nicht wirklich vorgeschrieben ist, einige Vercharterer verlangen ihn jedoch (ähnlich wie beim SKS).

 

Die einzige Möglichkeit doch einmal übers Wasser zu flitzen bestand nun darin, direkt vor Ort eine Trainingseinheit und Theorie-Stunde zu buchen und dann die Prüfung für den Katamaran Grundschein zu absolvieren. Gesagt, getan und um 119,- € erleichtert startete ich am nächsten Nachmittag die Ausbildung. Zuerst erhielt ich eine theoretische Einweisung in laufendes und stehendes Gut des Katamarans. Vieles kannte ich natürlich von der Jolle, einige Dinge waren jedoch neu.

Katamaran TopCat Aufbau

Katamaran segeln - Theoretische Einweisung

So langsam dämmerte mir, das ich zu recht nicht einfach so los fahren durfte. Der lange Ruderausleger, ein fehlender Verklicker und eingesparter Großbaum waren durchaus zu verkraften ;-). Aber, dass der Vorliekstrecker an Land immer gelöst wird, damit der leichte Cat bei Windböen nicht kurzer Hand auf der Seite landet oder das der Traveller bei jedem Kurswechsel angepasst wird, überraschte mich. Alles in allem findet man sich jedoch recht schnell ein. Mein Trainer prüfte durch ein paar gezielte Fragen noch meine theoretischen Grundlagen, dann hatte ich ihn aber überzeugt und es konnte auf´s Wasser gehen.

 

Katamaran segeln - Auf in die Praxis und die Suche nach dem Verklicker

Zugegeben, viel Wind gab es nicht. Zum Glück bewegte sich der Cat aber auch schon bei 1-2 Bft recht flott, und so war ich schon das erste Mal beeindruckt. Im Nu hatten wir uns vom Ufer entfernt und so langsam richtete ich mich mit dem sehr langen Ruder-Ausleger, der lt. Trainer über die Schulter gelegt und geführt wird, ein. Bis dahin alles prima, mit zunehmender Fahrt suchte ich jedoch schon bald nach irgendeiner Möglichkeit der Windrichtungstimmung. Klar wusste ich, woher der Wind ungefähr kam, aber wie hoch genau ich dran war, konnte ich nicht erkennen. Hilfsweise luvte ich einfach an, bis die Segel zu killen begannen und konnte dann wieder etwas abfallen – alles klar, hoch am Wind hatte ich nun. Es fiel mir aber weiterhin schwer, die Übergänge von Am Wind auf Halbwind und auf Raumschotskurs zu erkennen. Weder mein Ohr noch mein Nacken eigneten sich als die von meinem Trainer angepriesenen Windrichtungsanzeiger. Vermutlich aber alles eine Frage der Erfahrung.

 

Wenig später folgte auch gleich die nächste Überraschung – es gibt nur 3 segelbare Kurse zum Wind. Ein so kleiner Katamaran segelt also nie direkt vor dem Wind, da das Segel nicht mehr richtig angeströmt wird. Ehrlich, ich konnte es fast nicht glauben aber in diesem Fall hat mich die Praxis überzeugt. Es passierte … fast nichts. Die Fahrt geht in der Tat nur noch im Schnecketempo voran. Vermutlich ist es aber auch gut so, wäre es anders, würde der Cat vermutlich eher tauchen oder man bräuchte ein Trapez achteraus, um dem nach vorn drückenden Segeldruckpunkt entgegen zu wirken. Also gut, alles wieder zurück auf Raumschotskurs und weiter. Wende und Halse funktionieren im Grunde natürlich ganz genauso wie auf Einrumpfschiffen. Allerdings sind die Abläufe insbesondere für Alleinsegler schon ein wenig anders.

 

Katamaran segeln - den Kopfstand vermeiden

Während man bei der Wende also mit dem Bug durch den Wind dreht, bleibt die Fock erst einmal back stehen, man wechselt entspannt die Seite, löst das Großsegel und legt  das Ruder komplett nach Lee und liegt nun im Beilieger. Nun kann man den Ausleger aus der Hand legen und sich um das Umlegen der Fock kümmern. Steht die Fock geht´s zurück, das Großsegel wird dicht genommen und die Fahrt geht weiter. Wir übten auch noch die Halse und das Mann über Bord Manöver und ich lernte, dass es keine gute Idee ist, im Raumschotskurs bei starken Böen einfach die Schot etwas zu lösen. Jedenfalls dann nicht, wenn man einen plötzlichen Kopfstand (Stecker) vermeiden will. Der Wind drückt dabei das Rigg nach vorn und den Lee-Rumpf tief ins Wasser. Bei voller Fahrt gibt das eine ordentliche Bremswirkung und nicht selten Abwurf. Also besser schön bis auf Am Wind anluven und dann das Segel fieren.

Katamaran Grundschein

Katamaran segeln - Kentern und dann wieder Aufrichten, allein geht´s nicht

Zuletzt stand dann auch Kentern auf dem Programm. Wir kippten den Cat über die Luv-Seite und lösten die Schoten. Wichtig ist, sich sofort irgendwo festzuhalten. Denn so ein leichter Cat vertreibt ganz schnell. Danach kletterten wir wieder auf den Luv Rumpf und nutzten die Aufrichteleine, um den Cat wieder auf beide Füße zu stellen. Schon erwartet mich die nächste Überrachung: ich hatte keine Ahnung, dass ich allein überhaupt keine Chance hätte, den Cat aufzurichten. Irgendwie sah es für mich immer so aus, als ob das ganz easy geht und ich hatte ja auch in meiner Jugend schon die ein oder andere Jolle flux über das Schwert wieder aufgerichtet. Als ich dann noch hörte, dass es zum Aufrichten 135 Kg braucht, dachte ich sogar an einen Übersetzungsfehler und sah meine Alleinsegelambitionen dahin gehen. Ich probierte es und bewegte rein gar nichts. Zusammen mit meinem Trainer funktionierte es dann und so werde ich zukünftig wohl einen gewichtigen Vorschoter benötigen ;-).

 

Nach 2,5 Stunden Segelspaß musste ich mich noch einem Prüfungsfragebogen stellen und nach einer weiteren Stunde hatte ich dann endlich den Cat-Grundschein in der Hand. Ab jetzt darf ich also auch auf 2 Kufen und freue ich mich schon auf die nächste Gelegenheit mit mehr Wind und vielleicht auch schon einem ersten Ausritt im Trapez.. Ich werde berichten …

 

In jedem Fall kann ich auch erfahrenen Jollen-Segler empfehlen, vor dem ersten Katamaran-Ausflug eine ausführliche theoretische und praktische Einweisung zu erhalten, selbst wenn kein Schein verlangt wird. Es ist wie auch sonst im Leben, man lernt nie aus.

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