„Segeln und Segeln Lassen" - Ein Kommentar zu Uwe Janßens Artikel im Yacht Magazin/8 2013

Bild: Yacht Magazin/8 2013
Bildquelle: Yacht Magazin/8 2013

Wie so oft reise ich gerade mit der Bahn durch halb Deutschland und freue mich wie immer auf die süße und fast schon vertraute Stunde, die ich der Lektüre des aktuellen Yacht Magazins widme. So versank ich auch gerade eben in der Mischung aus neuen Yachtmodellen, Törnberichten und allerlei guten Tipps rund um die Fortbewegung auf Wasser mit Wind.

 

Mitsegeln: Crewed- oder Kojen-Charter?

Was genau mich nun veranlasste den Laptop heraus zu holen und diesen Artikel zu schreiben, findet sich im Heft ab Seite 26. Uwe Janssen schreibt in einem ausführlichen Bericht von seinem „Crewed Charter“ Selbsttest im schönen Seychellen Revier. Einmal die Verantwortung für Schiff, Crew und Liegeplatz abgeben, einmal einfach in den Tag hineinsegeln und sich einmal richtig von der Crew verwöhnen lassen. Klingt durchaus „mal“ verlockend und wer jetzt einen Aufschrei von mir erwartet, weil es ja kein richtiges Segeln ist, den muss ich enttäuschen. Ich denke da recht einfach, jeder ganz nach seiner Fasson. Und wer so einen Törn zum Mitsegeln bevorzugt, soll es von mir aus auch gern tun. Allerdings finde ich die zum Vergleich herbei geholten Erfahrungen und Beispiele für „Kojen-Charter“-Törns mehr als einseitig.

Das Kojen-Charter „Grauen“???

Wenn nicht, müsste ich wirklich größtes Mitleid mit dem Autor haben, gleichzeitig verbunden mit einem riesigen Respekt, dass er sich so viele Male und Jahre als Mitsegler durch so üble Törns und Crews gequält haben muss, nur um nun endlich auf anständige Weise die Seychellen zu besegeln. Als unerfahrener Segler hätte ich nach dieser Lektüre schon bei dem Wort „Kojen-Charter“ oder „Hand gegen Koje“ eine mehr als mächtige Gänsehaut. Ich will nun auch gar nicht bezweifeln, dass er die anstrengenden Diskussionen um die Einkäufe, eisiges Schweigen zwischen Crewmitgliedern, in den Salon spuckende Seekranke und das ewige kochen, basteln und Klarschiff machen wirklich so erlebt und empfunden hat. Solche Geschichten kennt wohl jeder. Für einen halbwegs objektiven Vergleich beider Mitsegel-Arten sollte man jedoch gute und negative Erfahrungen gegeneinander halten. Ich habe in den vergangenen Jahren durchaus Segler kennengelernt, die zielsicher auch auf einer Crewed-Charter einiges zur Abkühlung der Stimmung an Bord beitragen könnten. Dennoch, die meisten Törns waren sehr schön und viele Mitsegler gehören heute zu meinen guten Freunden.

Crews FLEUTH SAILING Flottille Kroatien2012

Harmonische Crews sind keine Exoten

Deshalb nehme ich mir jetzt einmal die Freiheit, ein paar „Pro´s“ für die Kojen-Charter hinzuzufügen. Immer wenn ich zu neuen Törns aufbreche bin ich nämlich aufs Neue erstaunt, dass gerade unter Mitseglern viele entspannte, engagierte und unterhaltsame Menschen zu finden sind. Sicher wird das Wort von der großen, weltumspannenden Seglerfamilie immer mal wieder überstrapaziert, aber so ein Funken Wahrheit ist schon dran. Vielleicht sind es auch gerade die eben noch als lästig empfundenen Dinge, wie gemeinsam den Einkauf planen, die verschiedensten kulinarischen Vorlieben auf den Tisch bringen und auf ein gemeinsames Etappenziel hin arbeiten, die den Unterschied machen. Alles entwickelt sich doch während eines solche Törns von „Meinem Urlaub“ zu „Unserem Urlaub“, ohne dass man es wirklich merkt. Im besten Fall klappt so etwas natürlich auch auf einer Crewed-Charter, weil man gemeinsam Land, Leute und schöne Strände entdeckt. Und trotzdem ist man an Bord nicht ausschließlich unter sich, es bleibt eine Distanz zur Crew und das Wissen, dass sie auch lächelnd das Frühstück servieren, wenn sie einen nicht so gern haben ;-).

 

Tipps für die Kojen-Charter

Wie vermeidet man nun aber die gar zu üblen Geschichten vom Zickenkrieg, Kompetenzgerangel oder einfach Antipathie? Gar nicht! Jeder wird ihnen einmal begegnen und als Erfahrung abhaken müssen. Ein paar hilfreiche Tipps gab es bereits im letzten Yacht Magazin/7 2013. Ich möchte dazu zwei Dinge ergänzen: 

 

  • Für mich hat sich in den vergangenen Jahren bewährt, mir Crews und Mitsegelangebote aus dem regionalen Umfeld zu suchen. Wo auch immer die Reise dann hin geht, so hat man im Vorfeld die Möglichkeit Skipper und andere Mitsegler vor der finalen Buchung kennenzulernen. Erste Gespräche und Planungen offenbaren schnell, wo es passt und wo es Probleme geben könnte. Viele aus Erfahrung potentiell „gefährliche“ Themen, wie Bordkasse, Segelambitionen, Kochen u.ä. können im Vorfeld abgestimmt werden. Spannend allemal und fast schon entzückend welche Gruppendynamic schon bei so einem ersten Treffen entstehen kann. Und falls es doch nicht passt, suche ich eben weiter. 
  • Aus eigener Erfahrung möchte ich ergänzen, dass sich bereits im Vorfeld aufbauende Zweifel, an Bord oft bestätigen. Ist man also bei einem Freund, der mal mit will, schon skeptisch, oder scheint der Skipper des nächsten Törns nicht so richtig sympathisch, Finger weg. Schön reden hilft nicht.

 

Ups, die nette Stimme aus dem Deutsche Bahn Off kündigt mein heutiges Ziel Graal-Müritz an. Dann mach ich Schluß für heut. Ich freue mich auf schöne Ostertage "an" und nicht "auf" der See. Bleibt mir, Allen eine Handbreit Wasser unter dem Crewed- oder Kojen-Charter-Kiel zu wünschen.

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