Törnbericht Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Nachdem ich den SKS-Schein und die ersten eigenen Törns in Griechenland, Ijsselmeer und Mallorca bereits hinter mir hatte, wusste ich dennoch, dass es noch immer vieles zu lernen gibt. So viele Situationen, über die man gelesen doch selbst noch nicht erlebt hat und so viele Details, für die ich auf den ersten Törns noch keinen Blick haben konnte. Ich wollte und will als Skipper einfach noch besser und sicherer werden und damit lag ein Skipper Training mit einem erfahrenen Seebären praktisch auf der Hand.

 

FLEUTH-SAILING Skippertraining
Lange suchen musste ich als Teil der FLEUTH-SAILING Familie dann auch nicht, denn unsere Segelschule bietet dieses Training unter der sehr erfahrenen Leitung von Andreas Fleuth jährlich auf den Kanarischen Inseln an. Ich hab nicht lang überlegt und kurzer Hand gebucht. 4 weitere Skipper und Interessenten schlossen sich an und so flogen wir am 13.1.13 vom trüb, kalten Düsseldorf nach Teneriffa, wo uns Sonne und mittzwanziger Temperaturen erwarteten. Neben den Segelambitionen kann ich auch in der Nachbetrachtung sagen, dass ich damit der sicheren Winterdepression entgangen bin. Ich brauchte Licht und sog es auf.

Anreise von Düsseldorf nach Teneriffa Süd
Vom Flughafen Teneriffa Süd ging es dann gut gelaunt und erwartungsfroh per Taxi zum Puerto Radazul. Hier liegt von November bis April die Basis von Alboran Charter, des langjährigen Balearen und Kanaren Charter- Partners von FLEUTH-SAILING. Unser gebuchtes Schiff ist die Alboran XXXI Saoco, eine 43er Beneteau Oceanis, Baujahr 2008. Witziger Weise liegt sie sogar direkt neben der Arehucas, der Bavaria 49 meines Segeltörn Mallorca 2012. Wir haben gemeinsam heftigen Winden getrotzt und so überkommt mich sogar etwas Wehmut. Tauschen möchte ich dennoch nicht, denn insgeheim bevorzuge ich die Franzosen :-) .

 

CheckIn at Alboran Yachtcharter
Kaum an Bord, werden die ersten Aufgaben verteilt. Die Einkaufscrew sorgt für´s leibliche Wohlergehen, Skipper und Co-Skipper (ich) checken Schiff und Ausrüstung. Spät am Nachmittag trifft auch das letzte Crew-Mitglied aus Berlin ein und die Kojen können verteilt werden. Als einziger Frau wurde mir eine Einzelkabine gewährt, vielen Dank dafür an die Crew J. Der Abend endete dann bei guten Tapas und Wein im anliegenden Restaurant.

Crew: Andreas (Skipper), Kathrin (Co-Skipper), Hartmut, Rolf, Thomas , Uwe

Tag 1 Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Tag 1: Puerto Radazul nach Puerto San Miguel (33 sm)
Den morgen starte ich als Skipper of the Day mit der Sicherheitseinweisung der Crew. Das Team von Alboran sorgte parallel wie immer schnell und gut gelaunt für die Behebung kleinerer Problemchen und so waren wir um 10:30 Uhr ablegebereit. Ziel des Tages ist der Hafen in Puerto San Miguel. Der Wetterbericht verspricht für den Vormittag mäßige 3 Bft, die zum Nachmittag auf 5 Bft NO zulegen. Fast schon zu perfekt, denn vom Himmel lachte uns zusätzlich die Sonne.

 

Wir sind startklar und legen um 10:45 Uhr ab. Direkt nach der Hafenausfahrt setzten wir Groß (Lattengroß) und Genua und segeln Raumschots mit Kurs 200° Grad die Küste entlang. Wie angekündigt nimmt der Wind am frühen Nachmittag zu und weht uns mit 5 Bft um die Nase. Ein Genuss für die ganze Crew, denn halbstündig wechselt der Rudergänger. Da der Wind schon bald achterlicher und mit 6 Bft ins Tuch weht, verzichten wir auf das Groß und segeln unter Genua weiter. Später folgt eine Halse und mit Kurs 270° nehmen wir die Hafeneinfahrt von Puerto San Miguel auf´s Korn. Der Windmesser zeigt inzwischen 6-7 Bft. in Spitzen machen wir 8 Knoten FdW. Um 17:00 Uhr liegen wir fest im Hafen und können noch 30 Minuten bestes Hafenkino genießen. Der Wind macht einer einlaufenden Yacht auch nach dem 3. Anlauf große Schwierigkeiten, so dass noch einige weitere Versuche nötig sind, bis die Leinen endlich festgemacht werden.

Tag 2 Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Tag 2: von Puerto San Miguel nach El Puerto Valle Gran Rey, La Gomera (39 sm)
Am Montag übernahm Hartmut den Skipper-Posten und legte mit uns um 8:30 Uhr bei 5-6 Bft ab. Kaum aus dem Hafen setzen wir Segel , nur um 1 Stunde später wieder alles herunter zu nehmen. Der Wind schläft bis auf 1 Bft ein und so geht es vorerst unter Motor weiter. Kurz nachdem wir den südlichsten Zipfel Teneriffas passiert hatten tuckerten wir mit Kurs 275° in Richtung La Gomera. Damit es uns nicht zu langweilig wird, begleiteten uns kleine Gruppen von Grindwalen auf dem Weg.

 

Kaum waren die Grindwale abgetaucht hielt unsere Glücksträhne weiter an und so kehrt gegen 13 Uhr der Wind zurück. 4-5 Bft aus NW bliesen in die Segel und so segelten wir am Wind unserer Zielinsel entgegen. Beste Gelegenheit ein wenig am Trimm zu arbeiten und noch ein paar Zehntel Fdw heraus zu holen. Vielleicht war die dann folgende Wettfahrt mit einem Schwarm Delfinen dann doch des Glücks zu viel und so flaute der Wind gegen 15 Uhr wieder auf 1-2 Bft ab, so dass nur die Weiterfahrt unter Motor mit Stützgroß übrig blieb. Um 16 Uhr machten wir im „Valle“ fest und bereiten Leinen und Schiff auf Wasserhöchst- und -niedrigstände (Ebbe und Flut) vor.

 

Tag 3: von El Puerto Valle Gran Rey nach Pto de la Estaca (36 sm)
Pünktlich um 8:30 Uhr lösen wir abermals die Leinen und machen uns auf zu einer neuen Etappe. Bevor wir überhaupt ans Segelsetzen denken, verlegen wir die Großschotführung von der Backbord- auf die Steuerbord-Seite, damit an Backbord das Großfall auf die Winsch gelegt werden kann und wir nun während wir am Fall arbeiten, die Großschot bequem über die Steuerbord-Winsch führen können. Wer auch immer das vorher so an eine Seite gefädelt hat??? Dennoch bleiben die Segel unten, 1 Bft und mäßige Dünung bringen nicht mehr als schlagende Segel. Um 13:30 Uhr frischt der Wind dann doch wieder auf 4-5 Bft NNO auf und Skipper Rolf lässt Segel setzten. Mit Genua und im Rauschots- bzw. Vorwindkurs spurtet die Yacht auch gleich los. So geht es schnell voran und diesmal bleibt uns die Briese auch bis zur Ankunft in El Hierro treu. Leinen fest um 16:30 Uhr und damit noch Zeit, den herrlichen Sonnenschien zu genießen.

 

Bleibt zu ergänzen, dass der Gezeitenhafen von Pto de la Estaca nicht besonders komfortabel für Sportyachten ausgestattet ist. Ein Schwimmsteiger wäre sicher schon so etwas wie Luxus und das kann man nicht überall erwarten, dann sollten aber wenigsten Fenderbretter oder ein lückenfreier Anleger vorhanden sein. Unsere Gangway reichte nicht übers ganze Schiff und so mussten wir ordentlich knobeln, bis wir die Fender optimal am Schiff und teils am Anleger befestigt hatten, damit sich bei sinkendem Wasserspiegel nichts verschiebt.

 

Tag 4 Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Tag 4: Von Pto de la Estaca nach Santa Cruz La Palma (58 sm)

Vor uns liegt ein knapp 60 Meilen Schlag in Richtung Las Palmas und so geht es mit Thomas als Skipper bereits vor dem Frühstück um 7:30 Uhr los. Der kurze Versuch bei schwachem Wind Segel zu setzten brachte keine Erfolg und so legten wir die nächsten 2,5 Stunden unter Motor (und Groß) zurück. Die trotzdem vorhandene Dünung und das noch fehlende Frühstück sorgte nun auch in meinem sonst hartgesottenen Magen für etwas Unwohlsein. Einzig Andreas machte auch ein Aufenthalt unter Deck nichts aus und so sorgte er für ein paar leckere Frühstückshappen. Ich legte noch eine Reisetablette nach und kurz danach, war der Magen wieder fit.

 

Ein Alarm an der Ladebatterie sorgte dann für etwas Aufregung, denn eine Tasche in der Achterkabine hatte den Batteriehauptschalter bewegt und somit den Stromkreis unterbrochen. Hätten wir den Motor kurz zuvor ausgemacht, wäre er vielleicht nicht mehr angesprungen … puh, ich würde sagen Glück gehabt. Dann frischte aus heiterem Himmel der Wind für 2h Stunden auf und wie ließen uns nicht lange bitten. Halbwindkurs und 1 Reff … 2 h purer Genuß! J Gegen 13 Uhr ist der Spaß aus und wir legen den Rest des Weges unter Motor zurück. Zielsicher findet Thomas die Hafeneinfahrt von Santa Cruz, wo der Marinero am Meldesteiger uns ein hübsche Box zuweist und Thomas das Schiff unter den wachen Augen on Andreas passgenau in die Box zwirbelt. Leinen fest um 18:40 Uhr.

Tag 5-6 Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Tag 5-6: von Pto de la Estaca nach Puerto Radazul (135 sm)
Da unsere letzte Etappe uns über Nacht nach Teneriffa zurück führen wird, genießen wir bis zum Mittag noch einen Landgang in Santa Cruz. Die Altstadtgassen zeigen schöne und vielfältige Fassaden verschiedenster Epochen und so bummelt es sich vorzüglich durch die kleinen Souvenirgeschäfte. Letzte Gelegenheit für die Lieben zu Hause noch eine Kleinigkeit zu besorgen. Um 12 Uhr legen wir unter dem heutigen Skipper Uwe ab und gehen die ersten 4 Stunden erneut unter Motor an. Gegen 16 Uhr frischt der Wind langsam auf und wir können Segel (Gr, Gen) setzen. Da es stetig aus Ost bläst bleibt nur eine Kreuz hoch am Wind - erst mit Kurs 110° und nach der ersten Wende weiter auf 30°. Wir genießen die Fahrt mit 4,5 – 5,5 Knoten bei noch immer halbstündigen wechseln und werden mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt. Die Stimmung ist sensationell und an dieser Stelle möchte ich einmal aus dem Logbuch zitieren „Mit der Dunkelheit breitet sich ein sagenhaftes Sternenzelt über uns aus. Bei 3-4 Bft unter Vollzeug, Mond und Sterne, an der Kreuz = Perfect Moment!“ :-) Rolf und ich übernehmen um 22 Uhr die erste Wache und genießen bei gleißendem Mondschein und weiter stetigem Wind 2 Stunden Segeln pur wie im Rausch.

 

Der Wind dreht nach einer weiteren Wende ungünstig und wir fahren mit Kurs 140° beinah wieder auf gleicher Höhe zurück. Bei der Wachablösung um 1 Uhr Morgens haben wir uns immerhin wieder auf 125° zurück gekämpft. Die nächsten Stunden flaut der Wind langsam ab, dreht aber immerhin wieder etwas nördlich. Nun halten wir Kurs, müssen dennoch um 8:00 Uhr bei 1 Bft unter Motor weiter. Um 13 Uhr erreichen wir endlich die Nordspitze Teneriffas und fahren auf südlichem Kurs weiter. Gegen 14 Uhr frischt zum Abschied und für die letzten 15 Seemeilen ein weiteres Mal der Wind von achtern auf und wir segeln unter Genua zum Puerto Radazul. Unser heutiger Skipper Uwe setzt das Schiff perfekt an die Pier und um 17 Uhr sind die Leinen fest.

 

Abschied nehmen

Wir blicken bei einem leckeren Anlegerschluck auf ein tolles und facettenreiches Skipper Training Kanarische Inseln 2013 zurück und freuen uns auf unsere nächsten Abenteuer. Gezeiten, Nachtfahrt und -wache sowie optimaler Segeltrimm haben wir dank FLEUTH-SAILING nun sicher drauf. Hoffentlich werden sich unsere Wege hier und da mal wieder kreuzen J… beste Grüße an eine super harmonische Crew.

 

Hier geht´s zum Fotoalbum Skipper Training Kanarische Inseln 2013

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Sailing Crew Member (Freitag, 26 Juli 2013 13:36)

    Und die See gibt ihnen neue Hoffnung,
    wie die Nacht ihnen neue Träume bringt.

    Christoph Kolumbus (1451 - 1506)