Segeltörn Mallorca 2012 - Die Lost-Dinghi-Crew

Segeltörn Mallorca 2012
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Von Palma de Mallorca via Porto Cristo und Isla Cabrera zurück nach Palma de Mallorca: Auch wenn der Segeltörn Mallorca 2012 selbst schon einige Zeit her ist (22.9.2012 – 29.9.2012), sind die sehr lehrreichen Erfahrungen und Erlebnisse es allemal wert auch an dieser Stelle darüber zu erzählen. Ich bin sicher, dass ich da nicht zu viel verspreche :-).

 

Ein gutes Händchen hatte ich jedenfalls schon einmal bei der Crew-Auswahl. Nach bereits 3 vorherigen Törns in 2012 sah es Anfang Mai so aus, als würde es schwer werden eine Crew zu finden. 1-2 Segelfreunde finde ich meist, aber bei 10 Kojen wird´s schon schwieriger. Ich hab also neben Freunden auch einmal über „New in Town“ hier in Düsseldorf Mitsegler gesucht und hatte wieder erwarten guten Erfolg. 2 Mitsegler, die einen guten Anteil an einem ganz besonderen Törn hatten. Gechartert haben wir über Fleuth-Sailing Yachtcharter.

 

Anreise

Am 22.9. trafen sich die "Segeltörn Mallorca 2012"-Crew dann zu 8 in Palma de Mallorca direkt an der Basis von Alboran Yachtcharter und wir übernahmen auch direkt unser Schiff. Die „Arehucas“ ist eine 49er Bavaria mit Baujahr 2003. Zugegeben nicht mehr die Jüngste, aber ich war 1 Jahr zuvor bereits auf einem Schwesterschiff mitgesegelt und so wusste ich, sie ist noch gut in Schuss. Genauso gut las sich auch die Wettervorhersage für unsere Urlaubswoche: 2-3 Windstärken aus West für die ersten 4 Tage … es konnte also wie geplant in Richtung Ostküste gehen. Feste Ziele hatten wir eigentlich nicht, nur für den vorletzten Abend, hatte ich die schöne Bucht auf Isla Cabrera vorreserviert.

 

Tag 1: Palma de Mallorca - Cala Pi 

Wir segelten also am 23. gegen Mittag mit Skipper, Co-Skipper und 6 Crewmitgliedern bei schönstem Sonnenschein in Richtung Südküste. Wie vorhergesagt starteten wir bei Windstärke 3, der Wind frischte jedoch schon nach kurzer Zeit auf und kam deutlich südlicher ein. Statt auf Halbwindkurs, kreuzten wir nun aus der Bucht von Palma und das kostete Zeit, so dass ich Puerto Campos streichen musste. Die Suche nach einer geschützten Bucht endete in der Cala Pi. Eine traumhafte Bucht, die allerdings sehr tief und schmal ist – aber ich mag ja Herausforderungen.

 

In der Bucht angekommen endeten verschiedene Ankermanöver und Positionswechsel mit anderen Schiffen darin, dass die 5 bereits vorher dort befindlichen Yachten mit Landleinen nah am Westufer festgemacht hatten und wir etwas nach innen (Osten) versetzt ohne Landleine lagen. Der Anker hielt jedoch und wir hatten genug Platz zum freien Schwojen. Der erste Bucht-Abend konnte kommen und wir haben lecker gespeist und die Sterne genossen. Schon hier zeigte sich, dass die Crew hervorragend passte und wir viel Spaß haben würden.

 

Dennoch beunruhigte mich bereits im Laufe des Abends, dass der Wind stärker zunahm. Ein Blick ins Handy bestätigte den Verdacht, der Wetterbericht sprach nun von 4 Bft. in Böen 5-6 in der Nacht. Vor einiger Zeit hatte mir einmal ein wohlmeinender Skipper gesagt, wenn du einmal darüber nachdenkst, ob du besser eine Ankerbucht verlassen solltest um einen sicheren Hafen anzulaufen, dann tu es. Er sollte Recht behalten. Aber es war bereits dunkel und die Bucht erschien mir gut genug geschützt – jedenfalls für diese Vorhersage. Kurz gesagt, wir blieben dort.

 

Tag 2: Cala Pi - Palma de Mallorca

Nun lässt sich vielleicht schon ahnen, dass der Wind doch stärker zu nahm als angekündigt und vor allem auch sehr stark drehte. Bis um 5 Uhr morgens litt darunter allerhöchstens mein Nervenkostüm, der Anker saß bombenfest. Allerdings hatte sich der Windmesser inzwischen auf 30 – 35 Knoten hoch geschraubt und dreht uns 3-4-mal komplett um unsere Ankerkette. Leider näherten wir uns dabei so deutlich den Felswänden, dass ich um 5.15 Uhr die gesamt Crew mit dem anspringenden Diesel aus den Betten holte. Mein Plan: Anker einfach neu auslegen und alles wieder in die Koje. Nach mehreren Versuchen musste ich mir jedoch eingestehen, dass ich bei so stark drehenden Windböen einfach nicht passgenau in die enge Bucht gelangen konnte. Jedenfalls nicht so, dass der Anker fest saß und genug Platz zum schwojen blieb.

 

Andererseits hatte ich es in Griechenland schon ein paar Mal erlebt, das gerade Nachtwinde in Buchten und Häfen deutlich stärker und wechselnder waren, als auf dem offenen Meer und so entschied ich die Zeit bis zum Sonnenaufgang zu nutzen und den nächsten Hafen anzulaufen. Ich kann aber schon vorweg nehmen, dass sich meine Hoffnung nicht bestätigte – im Gegenteil. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass jemals 48 Knoten „True“ auf meinem Windmesser stehen – wahrlich ein Erlebnis.

 

Nachdem wir uns ca. 1h durch die Wellen gekämpft hatten, löste sich zudem noch das eigentlich gut befestigte Dinghi. Nicht was ihr denkt :-), der Knoten war gut gesichert, allerdings hatte sich die Öse am Dinghi selbst gelöst. Wir hatten am Abend zuvor, hoffend auf einen sonnigen Morgen, versäumt den Motor und die Kette des Zweitankers wieder an Bord zu nehmen und so zog einiges an Gewicht gegen die Wellen. Einmal frei treibend, gab es bei hohem Wellengang und viel Wind keine Möglichkeit das Dinghi zu bergen, ohne die Crew zu gefährden und so ließen wir nach wenigen Versuchen ab und nahmen Kurs zurück nach Palma. Trotz der für die Crew kaum zu vermeidenden Seekrankheit haben sich alle tapfer gehalten. Gegen Mittag hatte sich der Wind dann auf 4-5 Bft beruhigt und wir legten bei Sonnenschein in der Marina Alboran an.

 

Nachbetrachtet war es sicher die aufregendste aber auch erfahrungsreichste Segelnacht meines Lebens. Den restlichen Tag genossen wir dann mit einem schönen Bummel durch Palma und tankten neue Kraft.

 

Tag 3: Palma de Mallorca - Porto Pedro

Neuer Anlauf mit neuem Dinghi und wir haben immer noch viel vor. Mit Halbwindkurs bei 6 Bft verlassen wir die Bucht von Palma erneut in Richtung Ostküste und kommen zügig voran. Die letzten 8 Seemeilen gegen den Wind legen wir unter Motor zurück und wie gehofft schaffen wir es bis in die Bucht von Porto Pedro, wo wir an einer Mooring Tonne festmachten. Es bleibt zwar auch dort gut windig, aber ein kurzes Bad und einen Ausflug ins kleine Hafenstädtchen lassen wir uns nicht entnehmen. Gekocht wird selbstverständlich zu Hause J und wie immer sitzt der Crew der Schalk im Nacken und so hatten wir auch hier viel Spaß. Ob hier oder an einem anderen Abend die „Lost-Dinghos-Gang“ zur Taufe gebracht wurde, vermag ich nicht mehr zu sagen. Dennoch, es schweißte zusammen.

 

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Tag 4: Porto Pedro - Porto Cristo

Und das konnten wir am 4. Tag gut gebrauchen. Der Wetterbericht sagt 6-7 Bft vorher und nach den Erfahrungen der letzten Tage hieß das real das wohl eher 7-8 Bft. Dazu noch eine ansehnliche Dünung, die sich in den vergangenen Tagen aufgebaut hatte und so war zu überlegen, ob wir im windigen Porto Petro bleiben oder im 10 SM entfernten Porto Cristo Schutz suchen. Ein ruhiger und wellenarmer Abend klangt für alle dann doch zu verlockend und so reservierte ich uns kurzer Hand per Handy einen schönen Liegeplatz. Mit stattlichen, achterlich anrollenden Wellen surfen wir praktisch nach Porto Cristo und legen nach 3 Stunden am Altstadt-Kai an. Duschen, Strandbesuch, Stadtbummel und Abendessen – alles perfekt. Wir genießen und Schweigen … nicht ;-). Es darf gefeiert werden!!!

 

Tag 5: Porto Cristo - Isla Cabrera

Ich kann auch mal gutes vom Wetter berichten. Denn passend zu unserem für Tag 5 geplanten Süd-Kurs in Richtung Isla Cabrera, dreht auch der Wind und wehte aus nordwestlicher Richtung. Anfangs noch etwas schwach mit 2 Bft. Nahm aber später noch auf 3 Bft zu, damit konnte man arbeiten. Außerdem übernahm heute einmal der Co-Skipper das Kommando. Im Schmetterling näherten wir uns Cabrera und auf Wunsch der Crew genossen wir den mäßigen Wind und die Sonne noch bei einer Inselumrundung. Einmal an der Mooring Tonne festgemacht, schwammen wir auch schon mit den Fischen um die Wette. Etwas Weißbrot hilft da Wunder und zum allgemeinen Jubel sorgte der Skipper of the Day auch mit frischem Fang für das Abendessen. Ich kann auch jedem einen Landgang mit Besuch der alten Festungsanlage empfehlen. Auch das Bier in der einzigen Kneipe mundet an heißen Tagen, nur vor dem Rotwein muss ich warnen – der war nicht lecker.

 

Tag 6: Isla Cabrera - Palma de Mallorca

Da ist er wieder – der Wind. Erneut stehen 7-8 Bft auf der Wetterkarte und ein Aussitzen kommt aufgrund des Charterendes nicht in Frage. Immerhin ist die Crew nun gut eingespielt und so gehen es mit stark gerefften Segeln und guten Mutes an. Das Glück lässt nicht lang auf sich warten, denn wir können praktisch direkt im Halbwindkurs auf Palma zusteuern. So machen 8 Windstärken auch richtig Spaß und das Ruder war extrem begehrt an diesem Tag. Um 14:00 Uhr erreichten wir Palma und nach kurzem Tankstop machten wir um 14:15 Uhr fest. Den Rest des Nachmittags packten wir die Koffer, schlürften den kalten Alboran Begrüßungssekt und brachten die Bootsübergabe hinter uns.

So ein Törn muss natürlich gebührend verabschiedet werden und so speisten wir am Abend fantastische Tapas in der Altstadt von Palma. Dann noch ein Gläschen Wein und eine Hand voll Seemannsgarn auf dem Schiff und dann ab in Koje.

 

Tag 7: Abreise

Abschied vom Segeltörn Mallorca 2012.

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Kommentare: 2
  • #1

    Sascha (Mittwoch, 20 März 2013 07:20)

    Hallo KATHRIN, ein großes LOB für die Arbeit und die Mühen die in so einem Reisebericht stecken!TOLL, TOLL - ich freu mich schon heute auf Marmaris und die Erfahrungen die wir gemeinsam dort haben werden.
    Sascha

  • #2

    JNo (Mittwoch, 20 März 2013 14:31)

    Hola Chica, es ist doch immer wieder schön in Erinnerungen zu schwelgen, vor allem wenn sie einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. :-)